AN 94 - Bitte klicken sie auf das Bild, um es größer zu sehen.
© Valery Shilin's GUN CLUB
| Geschichte und Entwicklung |
Bereits bei der Einführung des AK-74 in der sowjetischen Armee wurde beschlossen, dass das Sturmgewehr schon bald durch eine modernere Waffe ersetzt werden soll. Das AK-74 war im Grunde nur eine Übergangslösung, deren Hauptzweck die möglichst schnelle und billige Einführung der neuen Patrone im Kaliber 5,45x39 mm war. Es ist also nicht verwunderlich, dass die russische Oberste Raketen- und Artilleriebehörde, kurz GRAU, bereits Anfang der Achtziger Jahre eine Ausschreibung bekannt gab, deren Ziel die Entwicklung eines Sturmgewehrs der neuen Generation war.
Der Name des Wettbewerbs war "Abakan", benannt nach einer russischen Stadt. Es sollte ein Gewehr entwickelt werden, dessen Effektivität die des AK-74 um 150-200% überstieg, dabei sollte die Waffe nicht weniger zuverlässig sein und alle gegenwärtigen Anbaugeräte aufnehmen können. Theoretische Überlegungen zeigten, dass die Aufgabe nur durch ein radikal neues Design gelöst werden konnte.
Hintergrund war, dass das AK-74 das Höchste dessen war, was man aus einem Design aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges herausholen konnte und den modernen Anforderungen schlicht nicht entsprach.
An Feldversuchen von 1987 nahmen insgesamt acht Konstruktionen teil, unter anderem von namhaften Entwicklern wie Viktor Kalaschnikov (Sohn des Entwicklers des AK-47), Stetschkin und Korobov. Einer der Entwickler war Gennadij Nikonov mit seinem Sturmgewehr ASM (Avtomat so smesschonnim impul'som, modernizowannij --> modernisiertes Sturmgewehr mit versetztem Impuls). Nikonovs Waffe konnte sämtliche Tests für sich entscheiden und wurde daraufhin zu weiteren Versuchen an die Truppe geliefert.
1993 wurde die Waffe zum ersten Mal öffentlich ausgestellt und erhielt die Bezeichnung ASN (Avtomat Spetsialnij Nikonova, Spezialsturmgewehr von Nikonov). 1996 gab die russische Regierung bekannt, dass das ASN offiziell als AN-94 in der Armee eingeführt ist. Hierbei sollte erwähnt werden, dass Michail Kalaschnikov über die Entscheidung verärgert war und seine Beziehungen spielen ließ, um die Waffe seines Sohnes durchzusetzen, was ihm offensichtlich nicht gelang.
Bevor das endgültige Design des AN-94 feststand, baute Nikonovs Entwicklerteam 20 unterschiedliche Prototypen. Der erste Prototyp hieß NA-2 und besaß keine äußerliche Ähnlichkeit zum Endprodukt, so war das NA-2 in Bullpup-Bauweise konstruiert. Der innere Aufbau jedoch war der Grundstein für das AN-94. Auch die Weiterentwicklungen NA-3 und NA-4 waren Bullpups. das NA-4 unterschied sich vom ersten Entwurf vor allem durch eine modifizierte Abzugseinrichtung und eine andere Visierung.
Der erste Prototyp in konventioneller Bauweise war das AS-1. Dessen Modifikation OA-222 hatte eine recht ungewöhnliche Erscheinung, da sie ein seitlich eingeführtes Magazin besaß. In nachfolgender Zeit änderte Nikonov ständig das Design und experimentierte mit unterschiedlichen Schulterstützen, Visierungen und Gehäuseformen. Der letzte Prototyp war das 6P33. Es war diese Waffe, die die Ausscheidungstests gewann und nach geringfügigen Modifikationen als AN-94 bekannt wurde.
Anders als Waffen der AK-Familie besitzt das AN-94 ein Polymergehäuse, auch die (im Gegensatz zum AK) nach rechts abklappabare Schulterstütze besteht aus Plastik. Im Inneren des Gehäuses befinden sich der lafettierte Lauf und der Laufkasten, sowie zwei Puffer. Der erste Puffer mindert den Rückstoß und beschleunigt den Laufkasten, wenn er sich in seine vordere Position bewegt, der zweite Puffer tut das gleiche mit dem Verschluss. Der Laufkasten beinhaltet den Verschluss und das Schlagstück. Die Abzugsvorrichtung ist ein im Griffstück integriertes Modul und kann bei Bedarf vom Rest des Systems getrennt werden.
Der Stock unter dem Lauf, der wie das Gasrohr aussieht (das tatsächliche Gasrohr befindet sich im Gehäuse), stützt den Lauf während seiner Bewegung. Gleichzeitig bietet er eine Montagemöglichkeit für einen Granatwerfer. Anders als das AK lässt das AN-94 eine gleichzeitige Benutzung des Granatwerfers und eines Bajonettes zu. Dazu wird das Bajonett seitlich an der Mündungsbremse befestigt; zusätzlich erleichtert dies das Durchstoßen des Brustkorbs.
Die sternförmige Dioptervisierung des AN-94 ermöglicht fünf unterschiedliche Einstellungen: 200, 400, 500, 600 und 700 m. Die Beschaffenheit der Kimme erlaubt es, sie auch mit Winterhandschuhen zu bedienen. Seitliche Einstellungen werden am Korn vorgenommen. An der Kimme lassen sich Tritiumbehälter anbringen, die ein Zielen bei Dunkelheit ermöglichen.
An der linken Gehäuseseite befindet sich ein Adapter für Zieloptiken. Dieser Adapter ist eines der wenigen Teile, die vom AK-74 übernommen wurden. Die restlichen Teile sind das Gelenk der Schulterstütze, das Griffstück, das Magazin, das Bajonett und das Reinigungszubehör.
Das Magazin fasst 30 Patronen und steckt leicht nach rechts geneigt. Grund dafür ist die Rückholfeder des Verschlusses, die auf der linken Systemseite untergebracht ist.
Aus dem Englischen übersetzt von DDT, waffeninfo.net (C)
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