AN-94 - Bitte klicken sie auf das Bild, um es größer zu sehen.
© Valery Shilin's GUN CLUB
Das AN-94 besitzt einen klein und leicht gebauten Drehkopfverschluss. Die Abzugseinrichtung erlaubt Einzelfeuer, 2-Schuß-Feuerstöße und Dauerfeuer. Die Sicherung ist ein eigenständiger Schalter und funktioniert unabhängig vom Feuerwahlhebel. Ist die Waffe auf Feuerstoß eingestellt, werden zwei Patronen mit einer Feuerrate von 1800 Schuss pro Minute abgefeuert. Bei Dauerfeuer werden die ersten zwei Patronen mit gleicher Kadenz abgefeuert, danach geht die Waffe automatisch zu einer Kadenz von 600 Schuss pro Minute über. Das AN-94 ist so konstruiert, dass der Schütze den Rückstoß erst spürt, nachdem die ersten zwei Projektile den Lauf verlassen haben. Dazu hat man sich für eine ähnliche technische Lösung wie beim deutschen G11 entschieden. Nach dem ersten Schuss bewegt sich der Lauf rückwärts, dabei wird die nächste Patrone geladen und abgefeuert. Erst dann kommt der Lauf hinten an und der Schü ;tze spürt den Rückstoß zweier Patronen. Das Problem bei dieser Lösung ist, dass das Patronenlager sich zusammen mit dem Lauf bewegt und das Magazin das auch tun müsste, wie es beim G11 der Fall ist. Tatsächlich besaßen frühe Prototypen des AN-94 ein bewegliches Magazin, was aus Sicherheitsgründen jedoch verworfen wurde. Stattdessen ging Nikonov einen anderen Weg: Die Waffe besitzt eine Art "Zwischenpatronenlager" (nachfolgend ZPL genannt), in die die nächste Patrone geladen und von dort aus weiter in das eigentliche Patronenlager geschoben wird. Auch der Nachladevorgang ist ungewöhnlich. Bei konventionellen Waffen holt der Verschluss die Patrone aus dem Magazin und schiebt sie ins Patronenlager. Beim AN-94 geschieht dies durch einen Schieber, der durch ein Stahlseil mit dem Verschluss verbunden ist. Bewegt sich der Verschluss zurück, so wird der Schieber nach vorne gezogen und umgekehrt. Sinn der Sache ist, die nächste Patrone mög lichst schnell laden zukönnen. Im Detail funktioniert das AN-94 folgendermaßen:
Wird der Ladehebel zurückgezogen, bewegt sich der Verschluss zurück, dabei wird das Schlagstück gespannt und vom Fanghebel festgehalten. Gleichzeitig holt der mit dem Verschluss verbundener Schieber eine Patrone aus dem Magazin und führt sich ins ZPL ein. Lässt man den Ladehebel los, schiebt der Verschluss die Patrone weiter ins Patronenlager. Ist die Waffe auf Dauerfeuer eingestellt, passiert folgendes: Nach der Betätigung des Abzugs befreit der Fanghebel das Schlagstück, welches den Schuss auslöst. Nach dem Schuss bewegt sich der Lauf zusammen mit dem Laufkasten rückwärts. Hat die Kugel die Gasbohrung passiert, wird der Entriegelungsprozess eingeleitet. Dabei bewegt sich der Verschluss schneller als der Lauf zurück, spannt das Schlagstück und wirft die Hülse aus. Gleichzeitig bereitet der Schieber die nächste Patrone für das Laden vor. Wenn sich der Verschluss wieder nach vorne bewegt, führt er die Patrone ins Patronenlager ein. Der Fanghebel des Schlagstücks ist deaktiviert, solange der Lauf nicht verriegelt ist. Erst danach wird das Schlagstück freigegeben und der zweite Schuss ausgelöst. Die zweite Hülse wird ausgeworfen. Zu dieser Zeit bewegen sich Lauf und Laufkasten immer noch zurück. Erst wenn die dritte Patrone geladen wird, begeben sie sich wieder in die Ausgangsposition. Wenn die dritte Patrone geladen wurde, schaltet die Waffe auf eine Kadenz von 600 Schuss pro Minute um. Das passiert, indem der Unterbrecher den Fanghebel des Schlagstücks nicht betätigt, sobald der Lauf verriegelt ist, sondern erst wenn der Lauf seine vorderste Position erreicht hat. Solange der Abzug gedrückt ist, feuert die Waffe mit dieser Kadenz weiter. Wenn der Abzug losgelassen wird, wird der Abzugsmechanismus zurückgesetzt.
Bei Einstellung auf Feuerstoß ist die Funktionsweise mit der oben beschriebenen identisch, es wird lediglich das Schlagstück nach dem zweiten Schuss festgehalten.
Das Zerlegen der Waffe ist einfach. Man drückt einen Hebel nach unten und kann dadurch die Gehäuseabdeckung abnehmen. Jetzt schiebt man den Lauf samt Laufkasten nach vorne und entfernt ihn. Nun kann das Griffstück abgenommen werden.
Die Meinungen zum AN-94 sind unterschiedlich. Einerseits bietet das Gewehr bei Feuerstößen eine weit bessere Trefferchance mit dem zweiten Schuss als andere Waffen. Der Preis dafür ist jedoch eine hochkomplexe (und teure) Konstruktion, die nicht zuletzt ein Problem bei der Ausbildung von Soldaten ist. Es ist jedoch bemerkenswert, dass dem AN-94 eine höhere Zuverlässigkeit als dem AK bescheinigt wird, so soll es erst nach durchschnittlich 40.000 Schuss zu einer Störung kommen. Bemängelt wird ebenfalls die schlechte Ergonomie der Waffe. Das Gewehr besitzt auch keine Montageschienen, an denen sich Leuchten, Laserpointer, Griffe, etc. anbringen ließen. Die Montagemöglichkeit auf der linken Gehäuseseite ist technisch überholt.
Ob das AN-94 das AK-74 jemals ablösen wird, ist unklar. Für eine komplette Umrüstung fehlt der russischen Armee schlicht das Geld. Zur Zeit ist die Waffe bei einigen in Tschetschenien stationierten Einheiten eingeführt.
Aus dem Englischen übersetzt von DDT, waffeninfo.net (C)
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