Bei dem "G 36" handelt es sich um ein Schnellfeuergewehr, das von der deutschen Waffenschmiede "Heckler & Koch" (Oberndorf / Neckar) entwickelt und bei der Bundeswehr als Handwaffe für Einzelfeuer und kurze Feuerstöße eingeführt wurde. Bereits Anfang der 90er begann bei HK die Entwicklung einer neuen Waffe. Das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) hatte den Auftrag über ein neues Sturmgewehr erteilt, wobei Heckler & Koch im Wettbewerb mit anderen internationalen Firmen stand. Das BWB stellte für die Entwicklung jedoch keine finanziellen Mittel zur Verfügung. 1995 entschied sich das BWB dann zu Gunsten des deutschen Modells. Ab 1997 wurden die ersten Einheiten der BW, insbesondere das "Kommando Spezialkräfte", mit dem neuen Gewehr ausgerüstet. Die Zulieferung einiger Einheiten erfolgt noch heute. Bei HK lief das neue Waffensystem unter dem Projektnamen "HK50". Es wies in der Entwicklungsphase bereits Merkmale des "HK36"-Prototypen auf. Das HK 36 ist ein Prototyp aus dem ACR (Advanced Combat Rifle) Programm, das bereits Mitte der 70er entwickelt wurde. Bei dieser Waffe im Kaliber 4,6x36 mm handelt es sich nicht um ein Versuchsmodell des G36, wie die Namensbezeichnung vielleicht vermuten läßt. Viel mehr wurden Teile aus anderen Schnellfeuergewehren in das HK 50 Projekt einbezogen. Der kurze Gaskolben erinnert an das AK 47 und das FAL. Auch aus dem HK "G11" wurden Teile nachempfunden.
Die Forderungen nach einem leichten, einfach funktionierenden und ökonomisch vertretbaren Gewehr konnte HK mehr als erfüllen, es mußte sich jedoch erst in umfangreichen Truppenversuchen und Testreihen in taktischen, technischen, logistischen und wirtschaftlichen Aspekten bewähren. Am 3. Dezember 1997 wurden in der Infanterieschule Hammelburg mit feierlichen Ansatz die neuen Gewehre (und Pistole P8) an die Teilstreitkräfte symbolisch übergeben. Das gesamte Auftragsvolumen über G36, P8 und Munition belief sich auf etwa 280 Millionen DM. Lediglich "Dynamit Nobel" (DAG) und "Metallwerk Eisenhütte" (MEN) wurde mit der Herstellung der 5,56x45 mm Patrone beauftragt.
Das Gewehr besteht zum großen Teil aus synthetischen Materialien, die der Waffe bemerkenswerte Eigenschaften verleihen. Die einzigen metallischen Teile dieser Waffe sind der Lauf, Verschluß & Verschlußteile, Gaskolben, Feder, Haltestifte und diverse Kleinteile zur Verstärkung. Alle anderen Teile, sogar das Magazin, bestehen aus hochfestem Polyamid, das mit mikroskopischen Karbonfasern verstärkt wurde. In der Literatur wird der synthetische Stoff "Nylon 66" erwähnt. Dieser Kunststoff kombiniert hohen Widerstand gegen Korrosion, Abnutzung, Chemikalien und Strahlung, mit niedrigem Gewicht, großer Stärke und hoher Dimensionsstabilität.
Die Metallteile bestehen entweder aus rostfreiem Stahl oder besitzen eine spezielle Oxidschicht und sind damit weitestgehend korrosionsbeständig. Der kaltgehämmerte Lauf ist innen verchromt und dadurch extrem lange haltbar. Die halbtransparenten 30 Schuß Magazine bieten den Schützen die Möglichkeit ihren Patronenvorrat zu überprüfen. Mit Hilfe der angebrachten Clips können die Magazine aneinandergesteckt werden.
Es handelt sich bei dem G36 um einen Gasdrucklader mit starr verriegeltem, drehbaren Verschlußkopf mit sechs Verriegelungswarzen. Nachdem das Geschoß den vorderen Bereich des Rohres passiert hat, wird die Gasabnahme und die Entriegelung eingeleitet. Nun hat die Kugel den Lauf verlassen; der Gasdruck befindet sich also in einem sicheren Bereich. Der Gaskolben bewegt sich nun ca. 6 mm nach hinten, um den Verschluß zu entriegeln. Eventuellen Verschmutzungen im Gaskanal oder in der Laufbohrung wird damit entgegengewirkt, da sonst der Nachladezyklus behindert werden könnte.
Bei der nach rechts anklappbaren Teleskop-Schulterstütze aus Polyamid wird vermutet, dass sie bei Gebrauch im Nahkampf brechen kann. Nach dem Anklappen wird die Waffe gut 24 cm kürzer. Es darf aber weiterhin geschossen werden. Für den Nahkampf kann ein Bajonett aufgepflanzt werden.
Nachteilig gibt sich auch der Handschutz, denn bei mehreren verschossenen Magazinen wird dieser für den Schützen unangenehm heiß. Das Problem hat HK aber bereits erkannt und stellt nur noch Handschutze mit Hitzeschildern, in Form eines innenliegenden Blechs her.
An dem abnehmbaren Griffstück befindet sich die bekannte SEF Sicherungsgruppe; "S" steht hierbei für "Sicher", "E" für Einzelfeuer und "F" für Dauerfeuer. Sie kann beidseitig bedient werden.
Das G36 besitzt ein duales Visiersystem. Mit dem im Tragegriff montierten, optischen Visier in dreifacher Vergrößerung können Ziele in 200 – 600 m Entfernung erfasst werden. In der Mitte des ZFs befindet sich ein Kreis mit einem Kreuz und darunter noch 2 kleinere Ausführungen, die für die 600 m und 800 m entfernten Ziele bestimmt sind. Links unten befinden sich Markierungen zum Schätzen der Zielentfernung von 200 - 800 m. Bei einer Distanz von 400 Metern entspricht der Innendurchmesser des Kreuzes die angenommene Mannhöhe von 1,75 m.
Das zusätzlich montierte, nichtvergrößernde Kollimator-Visier (HKV = Hauptkampfvisier), ebenfalls von der Firma Hensoldt entwickelt, ist eine Lichtsammelschnecke aus Glasfaser, die auf der 23x15 mm großen Linse einen orangefarbenen Leuchtpunkt erzeugt, der auf 100 m Entfernung 25 cm des Ziels abdeckt. Der Leuchtpunkt ist sowohl bei Tageslicht, als auch bei Nacht oder schlechten Witterungsbedingungen gut zu erkennen. Wenn nicht genügend Licht zur Verfügung steht, kann dieser auch via Batterie erzeugt werden. Oberhalb des Reflexvisiers ist eine Schiebeklappe, mit der die Lichtöffnung geschlossen werden kann; gedacht bis Ziele auf 200 m. Das G36 der Bundeswehr besitzt wie oft angenommen kein Notvisier auf dem Tragegriff, sondern wurde lediglich mit demselben Tragegriff ausgestattet wie das Exportmodell ohne das optische Visier. Somit kann das Reflexvisier auch nicht entfernt oder sogar abgetreten werden. Bei Nacht kann optional der adaptierbare Nachtsichtaufsatz (Bildverstärkerzielfernrohres) "SAII/III" verwendet werden.
Zum Auseinandernehmen der Waffe ist kein Werkzeug nötig. Es werden lediglich drei Haltebolzen aus dem Griff und dem Handschutz entfernt (die in die Schulterstütze gesteckt werden können) und die Schulterstütze angeklappt. Dann kann das Griffstück entfernt werden. Daraufhin entnimmt man das Bodenstück mit Schließfeder und den Verschluß. Der Magazinschacht kann beim gleichzeitigen Drücken des Magazinhalteknopfes entfernt werden. Nach dem Abnehmen des Handschutzes kann die Gaskolbenstange aus dem Gaskolben gegen den Federdruck bis zum Anschlag nach hinten gedrückt werden. Mit Hilfe des Gaskolbens wird der Sicherungsstift aus dem Verschluß gedrückt; somit läßt sich der Schlagbolzen entnehmen. Den Verschlußkopf nach vorn ziehen, bis der Steuerbolzen waagerecht steht. Diesen nach links herausnehmen und den Verschlußkopf nach vorn entnehmen.
Das Zusammensetzen erfolgt in umgekehrter Reihenfolge.
Bei allen Modellen können die Teile - außer Schulterstüze, Handschutz und Lauf - untereinander ausgetauscht werden. Dieser modulare Aufbau birgt in der Praxis einige Vorteile.
Seite 2 / 4
HIER GEHT ES WEITER
Zum Index
|