
Blick von oben
| Entwicklung und Geschichte |
Eine Million Stück hat die USA von der einschüssigen "Liberator" während der 2. Weltkrieges hergestellt. Das Militär tarnte die Waffe als "Flare Projector Caliber .45" (Leuchtpistole), folglich abgekürzt als "FP-45". Ziel war es Waffen über besetzte Gebiete in Europa abzuwerfen und Widerstandskämpfern die Möglichkeit zu geben an die Bewaffnung des Gegners zu kommen.
Entworfen wurde die "FP-45" 1942 bei "Inland Manufacturing Division, General Motors Corporation" in Dayton, Bundesstaat Ohio, das Projekt nahm bis zum Ende nur 6 Monate in Anspruch. Gefertigt wurde die ungewöhliche Waffe von 300 Arbeitern bei "Guide Lamp Division" (General Motors Corporation) Anderson, Indiana von innerhalb nur 11 Wochen. Rechnerisch ergibt sich dadurch eine Fertigungszeit von nur 6,6528 Sekunden, ermöglicht wurde diese schnelle Massenfertigung durch die Verwendung von Blechprägeteilen. Somit hielten sich auch die Herstellungskosten von 2,10$ pro Stück im niedrigen Niveau.
Während der Entwicklung versuchte man die Massenproduktion zu verschleiern, indem man wesentlichen Teilen andere Namen gab, der Schlagbolzen (firing pin) hieß Kontrollstange (control rod), aus Abzug (trigger) wurde Bügel (yoke), aus dem Abzugsbügel (trigger guard) wurde Schraubenschlüsel (spanner) und der Lauf (barrel) wurde zum Rohr (tube) umbenannt.

Im Griff wurden die Patronen untergracht und von unten mit einer Platte verschlossen.
Insgesamt besteht die Waffe aus genau 23 Einzelteilen, alle Teile waren einfach und günstig herzustellen. Der Lauf besitz nicht einmal Züge und Felder sondern ist glatt. Verschossen wird die Pistolenpatrone .45 ACP, welche aufgrund des glatten Laufes nur bis maximal 8 Meter und effektiv nur innerhalb drei Metern präzise ist. Das Geschoß wird nicht stabilisiert und fängt nach wenigen Metern das Taumeln an, somit gehört die Liberator zu einer der ungenauesten Handfeuerwaffen überhaupt.
Glattläufe haben den Nachteil, daß die Reibung an der Laufinnenseite sehr genau sein muß, daß sonst ein extremer Gasdruck bei geringfügig zu engem Lauf die Waffe sprengt bzw. bei knapp zu großem Lauf der Gasdruck ungenutzt am Geschoss vorbeizieht. Die Fertigungstoleranzen der Munition, des Laufs und auch die Temperaturdehnung bei klimatischen Extrema ist bei Glattläufen heikel. Die Waffen halten allerdings einen Beschuß 30% höherer Gasdruck gegenüber C.I.P. aus.
Hergestellt und verpackt in einem mit Kerzenwachs überzogenen Pappkarton mit insgesamt 10 Patronen die alle im Griff untergebracht wurden und einem Holzstock. Dabei lag eine gezeichnete Bedienungsanleitung, welche dem Schützen in 12 Schritten erklärt wie die Waffe funktioniert:
Zum Laden den Hammer nach hinten ziehen und nach links arretieren. Die Platte muß darauf hin nach oben gezogen werden, damit ist der Lauf frei und eine Patrone kann eingelegt werden. Die Platte wieder nach unten drücken und den Hammer in Ausgangsposition - fertig und schußbereit. Nach dem Schuß muß Hammer und die Platte wieder geöffenet werden, dann kann mit dem Holzstock die leere Hülse rausgedrückt werden. Erst dann kann eine neue Patrone geladen werden. Der Ladevorgang dauert etwa 10 Sekunden.
Originale Anleitungen besitzen eine Art Wasserzeichen, andere sind Fälschungen.
Nach Produktionsende wurden die Waffen dem OSS (Office of Strategic Services, während des 2. Weltkrieges der erste Nachrichtendienst und Vorreiter der CIA) übergeben. Leider gibt es keine Dokumentation über die genau Verwendung der Waffen. Einige Zehntausendstück sollen über Frankreich abworfen worden sein, andere Literatur spricht von einer ganz geringen Stückzahl. Die meisten wurden jedoch über China und den Philippinen, von den Japern besetzten Gebieten abgeworfen.
Man nahm an, das der moralische Effekt auf die von den besetzenden Truppen effektiver war als die Feuerkraft der Waffe ansich. Die Waffen wurden nicht für einen möglichen Fronteinsatz konzipiert, sondern sollte vom Widerstandskämpfer aufgenommen werden, der sich an den Feind heranschleicht, ihn tötet und die dessen Waffe abnimmt. Man hoffte, das eine große Menge an abgeworfenen Waffen innerhalb besetzter Gebiete, sich schädlich auf die Moral der Soldaten auswirken würde.
An Angehörige des Militärs wurden diese Waffen jedoch nie ausgegeben.
Eine weitere interessante Pistole ist die "Deer Gun" welche Anfang der 60er für das CIA entwickelt wurde und der Nachfolger der Liberator darstellt. Sie verschießt die 9 mm Luger und es können drei Patronen im Griff untergebracht werden.
Nach dem Krieg wurden die meisten Liberator Pistolen zerstört, mitterweile ist sie unter Sammlern gefragt und kostet im gutem Zustand einige hundert Dollar bis hin zu 1500$.

Blick auf den arrtieren Hammer
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